Sport für Entwicklung in Afghanistan

Sport als Schulfach – das kennen viele Schülerinnen und Schüler in Afghanistan noch nicht. Sport trägt jedoch positiv zur körperlichen, motorischen und geistigen Entwicklung von jungen Menschen bei. Aus diesem Grund unterstützt die Bundesregierung die Einführung des Unterrichtsfachs Sport an Schulen in Afghanistan.

Situation

Während der Herrschaft der Taliban war es der afghanischen Bevölkerung verboten, sportliche und kulturelle Aktivitäten öffentlich auszuüben. Mittlerweile gehört Sport in Afghanistan wieder zu den beliebten Freizeitbeschäftigungen. Sport trägt sowohl zum körperlichen als auch geistigen Wohlbefinden bei und fördert motorische Fähigkeiten sowie das soziale Miteinander. Dennoch: Der Schulsport – wenn überhaupt angeboten – umfasst vor allem theoretischen und selten praktischen Unterricht. Den Schulen mangelt es an praxisorientierten Lehrveranstaltungskonzepten, Stundenplänen, fachlich ausgebildeten Lehrkräften sowie an Sportausrüstung und -infrastruktur für einen bewegungsorientierten Sportunterricht. Dabei können Schulen jungen Menschen einen geschützten Raum für Bewegung bieten – ganz besonders Mädchen und jungen Frauen, denen es in der Öffentlichkeit nicht möglich ist, Sport zu treiben.

Ziel

Das Vorhaben beabsichtigt, Mädchen einen qualitativ hochwertigen Sportunterricht zu ermöglichen. Diesbezüglich wird an den Lehrerausbildungsstätten ein Lehrplan für Sportunterricht Teil der Ausbildung.

Maßnahmen & Wirkung

Dank des Vorhabens konnte das sportpädagogische Angebot an afghanischen Schulen bereits ausgebaut werden: Zehn Ausbilderinnen und Ausbilder des afghanischen Direktorats für Sport (PED) des afghanischen Bildungsministeriums lernten in zwei Trainingsworkshops, Sport als Instrument der Persönlichkeitsentwicklung einzusetzen und Sportaktivitäten an die lokalen Gegebenheiten und schulischen Ressourcen anzupassen. Beliebter Fokus: Ballsport (z. B. Basketball und Volleyball).

Die Ausbilderinnen und Ausbilder geben die neu erworbenen Kenntnisse an ihre Kolleginnen und Kollegen weiter. In acht Fortbildungen wurden bisher insgesamt 78 Lehrerinnen und Lehrer aus 38 Schulen in Kabul und Mazar-e Sharif ausgebildet. Die Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS) begleitet die Aktivitäten wissenschaftlich. Die Ausweitung dieser Fortbildungsmaßnahmen auf andere Provinzen ist derzeit in Planung. 20 Pilotschulen in Mazar-e Sharif und Kabul, deren Lehrkräfte Fortbildungen im Fach Sport erhalten haben, wurden mit Sportausrüstung für unterschiedliche Bewegungsspiele und Ballsportarten ausgestattet. Etwa 57.000 Schülerinnen und Schüler profitieren inzwischen von dem erweiterten Sportangebot.

Mit Unterstützung der deutsch-afghanischen Entwicklungszusammenarbeit sind in den Nordprovinzen Afghanistans mehrere Lehrerausbildungsstätten entstanden, an denen junge Afghaninnen und Afghanen ihr Lehramtsstudium absolvieren. Um das Fach Sport im Grundschullehramtsstudium neu aufzunehmen, wurde im Mai 2016 ein auf Kinder ausgerichteter Lehrplan für die Primarschule entwickelt. Dabei werden Sport- und Bewegungsspiele aus aller Welt genutzt und an die Gegebenheiten, Räumlichkeiten und Ressourcen afghanischer Schulen angepasst. Auf dieser Grundlage werden in einem nächsten Schritt entsprechende Lehrmaterialien für einen bewegungs- und sportpädagogisch orientierten Unterrichtsplan entwickelt.

Übersicht

Engagement in den Provinzen  Balkh, Kabul.
Programm:
Sport für Entwicklung in Afghanistan (S4D)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Direktorat für Sport (PED) des afghanischen Ministeriums für Bildung, Bildungsabteilungen der afghanischen Provinzregierungen, GIZ-Programm zur Förderung der Grund- und Sekundarbildung in Afghanistan (BEPA), Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS)
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen:
Kabul, Balkh
Programmziel:
Ausbau des sportpädagogischen Angebots in Schulen sowie Curricula-Entwicklung für das Fach Sport im Lehramtsstudium.
Gesamtlaufzeit:
März 2016 – Dezember 2018
Twitter icon
Facebook icon