So funktioniert die Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan

 

Zwischenstaatliche Verhandlungen

Die deutsche und die afghanische Regierung verhandeln jedes Jahr über die Finanzierung ihrer bilateralen Entwicklungszusammenarbeit. Gegenstand der Verhandlung ist die Verteilung der für das jeweilige Jahr zur Verfügung stehenden Mittel. Diese ist davon abhängig, welche Bereiche eine besonders hohe Priorität haben, und wird nur umgesetzt, wenn beide Seiten die dafür geltenden Voraussetzungen erfüllen. 2012 haben die beiden Länder ein bilaterales Partnerschaftsabkommen abgeschlossen, in dem sie sich dazu verpflichten, gemeinsame Werte wie Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, gute Regierungsführung, eine Reform der öffentlichen Verwaltung sowie Maßnahmen gegen die Korruption in Afghanistan umzusetzen.

Deutschland stellt Afghanistan weiterhin erhebliche Mittel für den zivilen Wiederaufbau zur Verfügung und unterstützt das Land bei der Armutsbekämpfung, der Einführung von Verfahren für eine gute Regierungsführung sowie der Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Das übergeordnete Ziel der Zusammenarbeit besteht darin, eine Grundlage für dauerhafte Stabilität, Sicherheit, Frieden sowie eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Weitere Informationen über die Geschichte der deutsch-afghanischen Beziehungen finden Sie hier.

 

Gemeinsame Projektplanung

Gemeinsam mit seinen afghanischen Partnern plant das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) langfristig und nachhaltig angelegte Projekte. Dies geschieht in Abstimmung mit den Durchführungsorganisationen des BMZ, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der KfW Entwicklungsbank. Die Projekte sind auf die spezifischen Gegebenheiten in Afghanistan zugeschnitten und an die lokalen Bedürfnisse angepasst.

Bei der Planung eines Projekts wird vor Ort eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen sinnvoll und nachhaltig sind. Dadurch haben sowohl die deutsche als auch die afghanische Seite die Möglichkeit, ihre Beiträge aufeinander abzustimmen und ihre nationalen Anforderungen an die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zu erfüllen.

Die Projekte sollen der afghanischen Bevölkerung zugutekommen und sind so konzipiert, dass sie am Ende der Projektlaufzeit von den jeweiligen afghanischen Partnerinstitutionen (darunter Ministerien und staatliche Versorgungsbetriebe oder Unternehmen auf provinzieller und nationaler Ebene) übernommen werden können. Der ordnungsgemäße Betrieb und die Instandhaltung von Infrastrukturinvestitionen gehören zu den wichtigsten Aufgaben des afghanischen Staates und der jeweiligen Partnerinstitutionen. Die Bundesregierung erwartet vom afghanischen Staat, dass er seiner Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung des Landes gerecht wird.

 

Technische Zusammenarbeit

Die Technische Zusammenarbeit (TZ) ist eine direkte Beitragsleistung zur Kapazitätsentwicklung von Personen und Institutionen vor Ort und auf zentraler Ebene in Afghanistan. Realisiert wird sie von der staatlichen deutschen Durchführungsorganisation GIZ oder anderen spezialisierten Durchführungsorganisationen, wie dem Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTD).

In der Technischen Zusammenarbeit tritt die Durchführungsorganisation – in der Regel die GIZ –, als Vermittler auf und sorgt für den direkten Transfer von technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Kenntnissen und Kompetenzen an die afghanischen Partner (beispielsweise die im Rahmen des jeweiligen Projekts relevanten Ministerien). Diese sind auf allen drei Staats- und Verwaltungsebenen (national, regional, lokal) an allen Umsetzungsphasen beteiligt. Hier finden sie eine Liste der Projekte der afghanisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Damit ist Afghanistan in der Lage, in Zukunft eigenständig nachhaltige Entwicklungsarbeit zu leisten, die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern und seine Ziele durch eine ebenso effiziente wie nachhaltige Ressourcennutzung zu verwirklichen. Die GIZ verfügt über internationale und nationale Fachkräfte, die für einen reibungslosen Ablauf der Arbeit vor Ort sorgen. Nähere Informationen über die Aufgaben des nationalen Personals finden Sie auf unserer Strategie-Seite. Die Projekte werden in enger Abstimmung mit der Finanziellen Zusammenarbeit geplant und durchgeführt.

 

Finanzielle Zusammenarbeit

Das Ziel der Finanziellen Zusammenarbeit (FZ) besteht darin, Afghanistan bei der Finanzierung von Entwicklungsmaßnahmen zu unterstützen, die zwischen der afghanischen und der deutschen Bundesregierung vereinbart wurden. Die staatliche KfW Entwicklungsbank prüft gemeinsam mit den afghanischen Partnern, inwieweit das geplante Projekt entwicklungspolitisch sinnvoll und machbar ist, welchen Nutzen es bietet und ob es nachhaltig ist.

Das BMZ und die afghanische Regierung schließen völkerrechtlich verbindliche Verträge. Die KfW wiederum schließt – im Auftrag der Bundesregierung – einen Finanzierungs- bzw. Darlehensvertrag mit der afghanischen Partnerinstitution ab, die für die Umsetzung des Projekts verantwortlich ist.

Die KfW verfügt über internationale und nationale Berater*innen, die die Projektumsetzung begleiten und überwachen. Außerdem setzt die KfW vor Ort nationales Personal ein, das die afghanischen Partner bei der erfolgreichen Umsetzung von Maßnahmen unterstützt.

Nach der Durchführung wird das Projekt von internationalen Beraterinnen und Beratern und der KfW im Rahmen einer Abschlussevaluierung daraufhin geprüft, ob es seine Ziele erreicht hat und für die Übergabe an den jeweiligen Partner bereit ist. Hier erfahren Sie mehr darüber, wie die KfW arbeitet.

 

Nichtstaatliche Zusammenarbeit

Neben der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit spielt die nichtstaatliche Zusammenarbeit bei der Umsetzung von Entwicklungsprogrammen und -projekten in Afghanistan eine wichtige Rolle. Deutsche, internationale und afghanische Nichtregierungsorganisationen (NROs), darunter Stiftungen und private Organisationen, können vielfach auf Beziehungen im Land zurückgreifen und haben oft einen besseren Zugang zu den Menschen vor Ort. Dadurch vertrauen die Partner und die Bevölkerung den NROs und ihrer Arbeit.

Darüber hinaus leisten die NROs einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Transparenz sowie zum Empowerment der Bevölkerung. Sie geben den Menschen eine Stimme und fördern die Rechenschaftspflicht der öffentlichen Institutionen. Viele dieser Organisationen engagieren sich seit Jahren im Land und haben Strukturen und Netzwerke aufgebaut, die die Entwicklung langfristig fördern. Dabei arbeiten sie eng mit staatlichen Akteuren und afghanischen Partnern zusammen. Auch die deutsche Bundesregierung kooperiert mit NROs und pflegt einen Erfahrungs- und Meinungsaustausch mit ihnen.

 

Machbarkeitsprüfungen

Bevor Projekte vor Ort umgesetzt werden, werden sie sorgfältig geprüft und vorbereitet. Im Falle der Technischen Zusammenarbeit wird diese Vorbereitung durch den Studien- und Fachkräftefonds (SFF), im Falle der Finanziellen Zusammenarbeit durch den Studien- und Beratungsfonds (SBF) finanziert. Beide Fonds finanzieren Studien und Gutachten zur Durchführbarkeit von Projekten, Beratungsleistungen, Risikoanalysen, den Einsatz von Fachkräften, die notwendigen Maßnahmen sowie die damit beabsichtigten entwicklungspolitischen Wirkungen.

Darüber hinaus kann der jeweilige Fonds auch für die Durchführung von ergänzenden Maßnahmen zu einem Projekt sowie für die Nachbereitung, Evaluierung und Überprüfung der Ergebnisse zuständig sein. Mithilfe der Fonds können übergreifende Maßnahmen realisiert werden, die nicht auf ein Projekt oder Thema beschränkt sind. Das BMZ muss jede dieser Maßnahmen genehmigen.

 

Projektumsetzung

Afghanische Fachkräfte, die für Durchführungsorganisationen wie die GIZ oder die KfW arbeiten, spielen bei der Projektumsetzung eine besonders wichtige Rolle. Die Konzepte in der Technischen und der Finanziellen Zusammenarbeit zielen durchweg darauf ab, voneinander zu lernen und gemeinsam günstige Rahmenbedingungen für sachgerechte Planungs- Umsetzungs- und Monitoring-Prozesse zu schaffen. Darüber hinaus werden mit den Maßnahmen der TZ und der FZ ein ordnungsgemäßer Betrieb und eine entsprechende Wartung von Maßnahmen angestrebt, wodurch die Eigenverantwortung der afghanischen Akteure gestärkt wird.

Unterstützt von internationalen Fachkräften arbeitet das afghanische Personal gemeinsam mit den afghanischen Partnern an einer professionellen Planung, Umsetzung und Steuerung der Programme, um die Effektivität und Nachhaltigkeit aller Maßnahmen zu gewährleisten. Nähere Informationen über die Umsetzung vor Ort finden Sie auf unserer Strategie-Seite.

 

Schlussevaluierung

Am Ende der Projektdurchführung führen externe Gutachterinnen und Gutachter eine detaillierte Evaluierung der Effektivität, Nachhaltigkeit und Effizienz des Projekts nach internationalen Qualitätsstandards durch. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in zukünftige Projekte ein. Hier finden Sie nähere Information zum Evaluierungsprozess.