Flucht & Migration

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller

„Fluchtursachen mindern heißt in Entwicklung investieren.“ 

 Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

 

Flucht & Migration in Afghanistan

Afghanistan ist eines der Hauptherkunftsländer von Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Gewalt fliehen. Mit etwa  2,7 Millionen registrierten Flüchtlingen, machen Afghaninnen und Afghanen die drittgrößte Flüchtlingsgruppe der Welt aus. Die Nachbarländer, Pakistan und Iran beherbergen 87% der registrierten afghanischen Flüchtlinge. Obwohl die Gesamtzahl im Vergleich deutlich geringer ist, war Afghanistan auch in den letzten zehn Jahren kontinuierlich unter den Top 10 Herkunftsländern von Flüchtlingen, die in Deutschland angekommen sind. Nach dem Höchststand im Jahr 2017, indem rund 127.000 Afghaninnen und Afghanen in Deutschland Asyl suchten, sind die Zahlen in den darauffolgenden Jahren auf unter 10.000 gesunken. Außerdem sind viele Afghaninnen und Afghanen ins Ausland ausgewandert. Unter denen, die das Land verlassen haben, befinden sich auch Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten. Darüber hinaus gelten etwa 2,6 Millionen Afghaninnen und Afghanen im eigenen Land als binnenvertrieben.

Die Ursachen für Flucht sind vielseitig: Menschen fliehen vor Unterdrückung und Verfolgung, vor Krieg und Menschenrechtsverletzungen. Flüchtlinge sind aufgrund extremer Umstände gezwungen, ihr Herkunftsland zu verlassen. Migranten hingegen treffen die bewusste Entscheidung dies zu tun und werden nicht durch externe Kräfte zur Migration gezwungen. Besonders junge Menschen erhoffen sich oft bessere Lebensbedingungen und Zukunftsaussichten. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Arbeit und Einkommen sowie die gesicherte Versorgung mit Wasser, Strom, Nahrung, Krankenversorgung, Wohnraum etc. – die Liste ist lang. Hinzu kommen jene Menschen, die nach Naturkatastrophen ihre Heimat verlassen müssen. In Afghanistan bedrohen beispielsweise auch extreme Naturereignisse wie Überschwemmungen, Erdrutsche, Dürren und Erdbeben die Lebensgrundlagen betroffener Bevölkerungsgruppen.

Die Bundesregierung beabsichtigt, die Ursachen von Flucht und irregulärer Migration in Afghanistan zu mindern und Perspektiven vor Ort zu schaffen. Sie unterstützt Afghanistan bei der Bekämpfung von Armut, der Verbesserung der Regierungsführung sowie der Stärkung der wirtschaftlichen Lage des Landes. Gleichzeitig schafft sie die Grundlagen für langfristige Stabilität und Sicherheit. Dazu gehört auch die Reintegration von abgelehnten Asylsuchenden oder Rückkehrerinnen und Rückkehrern aus den Grenzländern, beispielsweise aus Pakistan. Außerdem werden Migrantinnen und Migranten im Land gefördert. Viele Entwicklungs- und Stabilisierungsprojekte im Bereich der Regierungsführung und der wirtschaftlichen Entwicklung leisten dazu einen positiven Beitrag. Gleichzeitig engagiert sich Deutschland auch in Projekten der humanitären Hilfe sowie der Stabilisierung und Entwicklungszusammenarbeit, die sich speziell an Flüchtlinge, Rückkehrer und Binnenvertriebene richten. In diesem Zusammenhang ist das afghanische Ministerium für Flüchtlinge und Repatriierung (MoRR) ein wichtiger Partner. Als einer der größten Geber in Afghanistan hat Deutschland auf der Afghanistan-Konferenz 2020 sein Engagement für das Land erneut bekräftigt und für das Jahr 2021 bis zu 430 Millionen Euro an Unterstützung zugesagt.

Was die Bundesregierung weltweit unternimmt, um Ursachen von Flucht und irregulärer Migration zu mindern, Aufnahmeregionen zu stabilisieren, Flüchtlinge zu unterstützen sowie Chancen von Migration zu nutzen, können Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des Auswärtigen Amtes (AA) nachlesen.


Was wurde bisher erreicht?

Seit 2009 hat die Bundesregierung mehr als 4,5 Milliarden Euro in die zivile Zusammenarbeit mit Afghanistan investiert.

Ziel ist es, den afghanischen Bürgerinnen und Bürgern Perspektiven im eigenen Land aufzuzeigen und die afghanischen Behörden darin zu unterstützen, Dienstleistungen für die Bevölkerung angemessen umzusetzen. Etwa 22 Millionen Afghaninnen und Afghanen profitieren derzeit von den Vorhaben der deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan. Dies entspricht mehr als zwei Dritteln der Gesamtbevölkerung.

Eine aktuelle Datenübersicht zur deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan finden Sie hier.


Perspektiven in Afghanistan schaffen

Unterstützung von Binnenflüchtlingen und Rückkehrern in Afghanistan

Binnenvertriebene (IDPs) fliehen innerhalb ihres Landes in einen anderen Landesteil, ohne dabei die Landesgrenze zu überschreiten. Die Versorgungslage von Binnenvertriebenen ist meist schlechter als die der ortsansässigen Bevölkerung – es fehlt an Unterkünften, ausreichend Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung, Bildung und Arbeit. Ähnliche Bedingungen gelten auch für Rückkehrer aus Drittstaaten.

Die Bundesregierung unterstützt das afghanische Ministerium für Flüchtlinge und Repatriierung (MoRR) bei der Bereitstellung von Unterkünften und Infrastruktur in Nordafghanistan, mit dem Ziel die Integration von Binnenvertriebenen und Rückkehrerinnen und Rückkehrern zu erleichtern. Das Projekt der deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan zur Integration von Flüchtlingen in Nordafghanistan (IDP) zielt darauf ab, Spannungen abzubauen und Konflikte zwischen den Binnenvertriebenen und der Aufnahmegesellschaft zu vermeiden. Um dies zu erreichen, stellt das Projekt Unterkünfte und Infrastruktur für Rückkehrerinnen und Rückkehrer sowie Binnenvertriebene bereit, von denen auch die Aufnahmegemeinden profitieren. Gleichzeitig bietet das Projekt Schulungen für Mitarbeiter des MoRR an, um dessen Kapazitäten zur Bewältigung der Situation zu stärken und damit zur Stabilisierung der betroffenen Regionen beizutragen. Klicken Sie hier für weitere Informationen über das Projekt.

Darüber hinaus unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan Maßnahmen, welche die beruflichen Perspektiven von Binnenvertriebenen und Rückkehrerinnen und Rückkehrern verbessern. Seit 2019 schafft das RESTART-Programm Arbeitsmöglichkeiten zum Beispiel über Cash-for-Work-Initiativen, durch die Förderung von Start-ups oder durch die Unterstützung von Unternehmen, welche bereit sind Neuankömmlinge zu beschäftigen. Klicken Sie hier, um mehr über das Projekt RESTART zu erfahren.

Die Bundesregierung unterstützt Nothilfemaßnahmen und humanitäre Hilfe für Binnenvertriebene und Rückkehrerinnen und Rückkehrer in den Provinzen Herat und Nangarhar. Außerdem fördert sie die Gesundheitsversorgung in Gemeinden in Kabul, die durch Neuankömmlinge überlastet sind. Klicken Sie hier, um mehr über diese Projekte zu erfahren.


Durch Einkommensmöglichkeiten und Beschäftigung neue Chancen ermöglichen – auch für Rückkehrer und Binnenvertriebene

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan möchte die Bedingungen für wirtschaftliche Aktivitäten und Beschäftigung im Norden des Landes verbessern. Viele Maßnahmen zielen insbesondere darauf ab, armen Familien, Rückkehrerinnen und Rückkehrern sowie Binnenvertriebenen die Möglichkeit zu geben, kurzfristig ein Einkommen zu erzielen. Weitere Informationen finden Sie hier.


Bildung und Ausbildung – Schlüssel für eine bessere Zukunft

Wirtschaftlicher Aufschwung und ein erhöhtes Bildungsniveau – das sind zwei Seiten derselben Medaille. Nur eine gut ausgebildete Generation kann Zukunftschancen effektiv nutzen und damit zu einer positiven Entwicklung des Landes beitragen. Deshalb unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan seit 2009 das Projekt Förderung der beruflichen Bildung (TVET). Klicken Sie hier für weitere Informationen.

Darüber hinaus unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan die Bildung an Grund- und Sekundarschulen. Für mehr Informationen klicken Sie hier.


Eine friedliche Zukunft – für alle Afghaninnen und Afghanen

Ein Leben jenseits von Kriminalität und Extremismus – das soll allen Afghaninnen und Afghanen ermöglicht werden. Hier greift das 2004 eingerichtete Vorhaben Ziviler Friedensdienst (ZFD). Ziel ist es, Frieden zwischen Ethnien, Religionen und sozialen Schichten zu stärken – mittels Selbstreflexion, kreativer Bewältigung von Angst und Wut, Vertrauensbildung, gewaltfreier Kommunikation, konstruktiver Kritik, Selbsthilfe und Streitschlichtung. Weitere Informationen finden Sie hier.


Eine landesweite Gesundheitsversorgung – neue Aussichten schaffen

Für den Großteil der Bevölkerung Afghanistans bleibt eine angemessene medizinische Versorgung außer Reichweite: Vielerorts sind Kliniken, Gesundheitszentren und Krankenhäuser nur nach mehreren Tagen Anreise zu erreichen.

Deswegen unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan das afghanische Gesundheitssystem durch verschiedene Vorhaben.

Nähere Informationen zum Ausbau der landesweiten Gesundheitsversorgung finden Sie hier.

 

#RumoursAboutGermany – Aufklärungskampagne in Afghanistan

Das Auswärtige Amt hat in Afghanistan im Rahmen seiner Aufklärungskampagne gegen falsche Gerüchte und Lügen von Schleppern eine umfassende Kampagne gestartet. Über alle Kanäle – von Radio und Fernsehen bis in die sozialen Medien, von Kommunikation der Botschaft bis zu zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen – sollen Afghaninnen und Afghanen, die eine Flucht bzw. Migration nach Europa in Erwägung ziehen, ein realistisches Bild erhalten und davor bewahrt werden, auf Grundlage falscher Informationen ihr Leben auf dem Weg nach Europa zu riskieren. Das Ziel ist Aufklärung, nicht Abschreckung. Denn eine solch bedeutende Entscheidung soll nicht auf Desinformationen von Schleppern beruhen. à http://www.rumoursaboutgermany.info

#RumoursAboutGermany

Glaube keinen Gerüchten und Falschinformationen über die vermeintlich leichte Reise und das leichte Leben in Deutschland.

Riskiere nicht dein Leben, um nach Europa zu fliehen.

Schlepper sind kriminell und nur am eigenen Profit interessiert. Sie streuen bewusst Falschinformationen und interessieren sich nicht für Menschenleben.

Deutschland zieht seine Unterstützung für Afghanistan zurück.

Falsch! Deutschland wird Afghanistan weiterhin unterstützen. Deutschland wird sein Engagement in der Ausbildung der afghanischen Streitkräfte fortsetzen und auch in Zukunft den Menschen in Afghanistan, besonders in den Bereichen Bildung und Berufsausbildung, beistehen.

Afghanen erhalten automatisch Asyl in Deutschland.

Das ist nicht korrekt! Nur Menschen die Verfolgung erlebt haben, können auf Asyl in Deutschland hoffen.

Alle Afghaninnen und Afghanen, die ich in Europa kenne, sind erfolgreich.

In den meisten Fällen investieren Flüchtlinge ihr eigenes Geld und oft auch das ihrer Verwandten, um Europa zu erreichen. Es liegt auf der Hand, dass sie diesen Schritt den Menschen in der Heimat als Erfolg darstellen wollen, auch wenn die Realität leider anders aussieht. Viele Afghaninnen und Afghanen in Deutschland, die weder über Qualifikationen noch Sprachkenntnisse verfügen, sind arbeitslos.

In Deutschland arbeiten.

Die deutsche Regierung stellt Flüchtlingen keine Jobs zur Verfügung. Es dauert oft mehrere Jahre bis Flüchtlinge eine Arbeitserlaubnis in Deutschland erhalten.

Willkommensgeld.

Schlepper streuen Gerüchte und Falschinformationen über angebliches Willkommensgeld, das Neuankömmlinge von der deutschen Regierung erhalten sollen. Das ist falsch! Deutschland zahlt Flüchtlingen kein Willkommensgeld. Durch solche Lügen werden Menschen bewusst in Gefahr gebracht.

Leben und Sozialleistungen in Deutschland.

Die deutsche Regierung stellt Flüchtlingen keine Jobs zur Verfügung. Außerdem sind die Lebenserhaltungskosten in Deutschland deutlich höher als in Afghanistan.

In Deutschland kommt man auch mit Englisch zurecht.

Im Alltag, in den Behörden und den meisten Unternehmen in Deutschland wird nur Deutsch gesprochen.

Deutschland kann 800,000 Einwanderer aufnehmen.

Falsch! Der Aufenthalt in Deutschland ist an bestimmte gesetzliche Voraussetzungen gebunden. Illegaler Aufenthalt ist eine Straftat. Menschen, die keine Aufenthaltserlaubnis erhalten, werden abgeschoben.

 

 

 

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